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Blinde Kuh

Kennt ihr auch das Spiel „blinde Kuh?“

Bei diesem Kinderspiel wird der sog. „blinden Kuh“ die Augen mit einem Schal oder Tuch verbunden. Die übrigen Spieler necken oder ärgern die blinde Kuh und versuchen sich nicht von ihr fangen zu lassen. Wer gefangen wird, der ist die neue „blinde Kuh“.

Alternativ versucht die „blinde Kuh“ alle übrigen Mitspieler zu fangen. Wer als letzter übrig bleibt, hat gewonnen.

Eine Variante, die gerne von Jugendlichen oder jungen Erwachsenen gespielt wird, ist folgende: Wie bei dem Kinderspiel versucht die „blinde Kuh“ einen der Mitspieler zu berühren. Passiert dies, muss er stehen bleiben. Die „blinde Kuh“ ihrerseits berührt und tastet das Gegenüber ab und muss so erraten um welchen Mitspieler es sich handelt. Wird erraten wer es ist, ist er die neue „blinde Kuh“ oder er scheidet aus.

Wie ihr euch vorstellen könnt, hat diese Variante mitunter auch eine erotische Komponente und der Übergang zu den sog. „Doktorspielen“ ist fließend.

Doch warum heißt dieses Kinderspiel den nun „blinde Kuh?

Nun, wie ihr euch aufgrund der letzten Variante vorstellen könnt, war „blinde Kuh“ nicht immer ein Kinderspiel. Im Mittelalter war dies ein beliebter Zeitvertreib. Doch es war auch verboten, da es nicht dem sittlichen und moralischen empfinden dieser sehr religiös geprägten Zeit entsprach.

Daher hatte die blinde Kuh damals nicht nur verbundene Augen, sondern meist eine Kuhmaske (oder andere Tiermaske) auf. So konnte scheinbar nicht erkannt werden, um wen es sich bei der blinden Kuh handelt.

Die Darstellung von diesem Zeitvertreib findet man noch heute auf so manchen Gemälden des 16. Jahrhunderts.

Und auch Johann Wolfgang von Goethe hat die erotische Komponente dieses Spiels in folgendem Gedicht festgehalten:

Blinde Kuh

O liebliche Therese!

Wie wandelt gleich in’s Böse

Dein offnes Auge sich!

Die Augen zugebunden,

Hast du mich schnell gefunden,

Und warum fingst du eben mich?

Du faßtest mich auf’s Beste,

Und hieltest mich so feste;

Ich sank in deinen Schoß.

Kaum warst du aufgebunden,

War alle Lust verschwunden;

Du ließest kalt den Blinden los.

Er tappte hin und wider,

Verrenkte fast die Glieder,

Und alle foppten ihn.

Und willst du mich nicht lieben,

So geh‘ ich stets im Trüben

Wie mit verbundnen Augen hin.

Für mich war diese Komponente des ach so unschuldigen Kinderspiels neu. War euch das schon bekannt?